Honig

21.05.2019

Steuern: Ist Imkerei Erwerb oder Liebhaberei?

Die meisten Imkerinnen und Imker verkaufen einen Teil des geernteten Honigs. Folglich stellt sich die Frage, ob der Verkaufserlös Einkommen darstellt und entsprechend versteuert werden muss. Im Rahmen der Diplomarbeit zum Imker FA hat der Autor sämtliche kantonalen Steuerämter der Deutschschweiz angeschrieben, um in Erfahrung zu bringen, wie die entsprechende Praxis ist. Und typisch für die Schweiz: Nicht alle Kantone handhaben es gleich!

Aus steuerrechtlicher Sicht ist grundsätzlich jedes Einkommen steuerbar, das auf eine Tätigkeit zu rückzuführen ist, gleichgültig, ob dabei eine Erwerbsabsicht verfolgt wird oder nicht oder ob die Tätigkeit haupt- oder nebenberuflich ausgeübt wird. Nur will der Staat natürlich ver hindern, dass über allfällige Verluste aus der Imkerei das gesamte steuer- bare Einkommen reduziert wird. Aus diesem Grunde sind Erträge in der Regel dann nicht steuerbar, wenn sie aus einer Tätigkeit aus Liebhaberei entstehen und diese zur Deckung der Kosten dienen. Wird über mehrere Jahre hinweg ein Verlust erzielt, ist dies ein gewichtiger Hinweis auf Liebhaberei, auch wenn es mal ein Jahr mit Einnahmenüberschüssen gibt.

Die Abgrenzung zwischen selbst ständiger (Neben-)Erwerbstätigkeit und Liebhaberei ist nicht ganz einfach. Die Sichtweise der kantonalen Steuer ämter ist hier zudem unterschiedlich, eine klare, auf die Imkerei übertragbare bundesgerichtliche Rechtsprechung gibt es nicht. Einzig die Steuerverwaltung des Kantons Aargau konnte einen Entscheid nennen, in dem sich das aargauische Kantonsgericht mit der Frage der Steuerpflicht eines Imkers befasste. Weil der betroffene Imker neben seinen 20 Bienenvölkern auch noch eine Imkerschule betrieb oder betreibt, hat das Kantonsgericht die Steuerpflicht bejaht. Entscheidend war offenbar der Betrieb der Imker schule. Aber auch die Steuerverwaltung des Kantons Aargau bestätigte das, was die grösste Mehrheit der anderen kantonalen Steuerverwaltungen zur Auskunft gab: Es kommt auf den Einzelfall an. Man handhabt es offenbar so: Solange kein Gewinn- streben zu erkennen ist, wird die Imkerei als Liebhaberei taxiert mit dem Ergebnis, dass Erträge daraus nicht versteuert werden müssen.

Zürcher Steuerverwaltung steht alleine

Einzig die Steuerverwaltung des Kantons Zürich hat eine eigene Sichtweise. Sie behauptet mit Verweis auf eine Generalklausel im kantonalen Steuergesetz, dass auch Einkünfte aus Liebhaberei steuerbar seien. Sie stellen sich auf den Standpunkt, dass nur direkte Aufwendungen in Ausführung des Hobbys steuerlich abzugsfähig seien, Investitionen hingegen nicht. Zudem könnten die Verluste aus der Imkerei nicht mit dem übrigen Ein kommen verrechnet werden, weil Verluste als nicht steuerlich absetzbare Lebenshaltungskosten zu taxieren seien. Zwar werden Verweise auf die Rechtsprechung gemacht, aber diese sind nach Ansicht des Autors nicht einschlägig. Die Steuerverwaltung des Kantons Zürich bestätigt im Übrigen, dass ihre Einschätzungspraxis betreffend Imkerei noch nie von einem Gericht überprüft wurde.

Hinweise auf selbstständige Nebenerwerbstätigkeit

Richtig dürfte das Zürcher kantonale Steueramt hingegen liegen, wenn es ausführt, dass eine selbstständige Erwerbstätigkeit vorliegt, wenn ein Imker einen wesentlichen Teil seiner Einkünfte mit dem Verkauf von Bienenprodukten wie Honig, Wachskerzen oder Königinnen bestreitet. Sie meinen auch, dass eine Steuerpflicht vorliege, wenn die Imkerei mit einer gewissen Intensität betrieben wird und der Imker seine Produkte über einen Grossverteiler vertreibt. Tatsächlich wird es schwierig, zu argumentieren, man betreibe die Imkerei nur als Hobby und gänzlich ohne Gewinnstreben, wenn ein Imker oder eine Imkerin Honig über den Handel absetzt, und sei es nur im Dorfladen.

Einen eigenen Weg ist man im Kanton Graubünden gegangen. Gemäss Auskunft der Steuerverwaltung bestehe im Einvernehmen mit dem kantonalen Bienenzüchterverband Graubünden eine langjährige Praxis, wonach die Bienenhaltung von bis 15 Standvölker als Hobby bzw. Liebhaberei gilt und deshalb nicht besteuert wird. Für grössere Imkereien gilt ein Einkommenssteueransatz von Fr. 25.– pro Volk (auch für die ersten 15 Völker). Für 20 Völker ergäbe dies z. B. ein Einkommen von Fr. 500.–. Betriebe mit über 50 Völkern haben eine Abrechnung über Einnahmen und Ausgaben vor zulegen. In Bezug auf die Vermögens steuer richtet sich der Steuerwert für Liegenschaften im Zusammenhang mit Imkerei nach der amtlichen Schätzung. Im Übrigen wird von einer Vermögensbesteuerung abgesehen.

Fakt ist, dass wir Imkerinnen und Imker davon profitieren, dass sich die Steuerämter nicht speziell für uns interessieren. Sie wissen vermutlich, dass in vielen Fällen zwar steuerbare Erträge erzielt werden, diese aber minim sind. Aus diesem Grunde werden wir in Ruhe gelassen.

Buchführungspflicht

Will ein Imker oder eine Imkerin mit der Imkerei Gewinn erzielen, so unterliegt er oder sie der Steuerpflicht und der einfachen Buchführungspflicht nach Art. 957 Abs. 2 OR. Das bedeutet, er oder sie müsste die Einnahmen und Ausgaben sowie die Vermögenslage aufzeichnen. Der Gewinn ist die Differenz zwischen Einnahmen und Ausgaben. Wie viele Arbeitsstunden hinter einem allfälligen bescheidenen Gewinn stecken, ist dabei irrelevant. Verkauft ein Imker jedes Jahr um die 500 kg Honig, erzielt er Ein nahmen um die CHF 10000.–. Demgegenüber stehen Kosten für Futtermittel, Medikamente und den Unterhalt der Bienenstände sowie Imkerutensilien. Sind diese Kosten nicht ungefähr gleich gross wie die Einnahmen, so erzielt der Imker einen steuerbaren Gewinn. Damit ist Liebhaberei ausgeschlossen und der Ertrag müsste versteuert werden, auch wenn der Imker angesichts seiner aufgewendeten Stunden vielleicht nur 3 bis 5 Franken pro Stunde «verdient».

In sozialversicherungsrechtlicher Hinsicht muss gestützt auf Art. 19 AHVV auch der geringfügige Nebenerwerb mit der Ausgleichskasse abgerechnet werden. Nur wenn dieser weniger als CHF 2 300.– pro Jahr beträgt, muss nicht abgerechnet werden.

Jedem einzelnen Imker ist zu empfehlen, eine rudimentäre Buchhaltung zu führen oder zumindest die Belege für die Ausgaben auf die Seite zu legen. Denn kommt die Frage auf, ob ein Imker noch Liebhaberei oder schon Nebenerwerb betreibt, so ist es anhand des Honigjournals eines Siegelimkers ein Einfaches festzustellen, wie viel Honig etwa geerntet wurde. Es lässt dann Rückschlüsse auf die verkaufte Menge zu. Kann man in einem solchen Falle nicht beweisen, dass man in etwa gleich viele Ausgaben hatte, unterliegt man mit hoher Wahrscheinlichkeit der Steuerpflicht. In Extremis wird ein Verfahren wegen Steuerhinterziehung eröffnet, man zahlt Strafsteuern und muss die geschätzten Ein- kommen der letzten Jahre nachversteuern.

Berufsimker werden

Will ein Imker zum Berufsimker werden – sei es im Haupt- oder Nebenerwerb – so kann er dies ohne Weiteres. Es gibt keine staatlichen Vorschriften, die ihn daran hindern würden.

Zu beachten ist, dass man sich bei der zuständigen Ausgleichskasse als selbstständigerwerbend melden muss, damit die erzielten Erträge sozialversichert werden können (Art. 9 Abs. 1 AHVG und Art 17 AHVV).

Solange er keinen Umsatzerlös von über CHF 500 000.– pro Jahr erzielt, unterliegt er nur der einfachen Buchführungspflicht (siehe Kasten vorangehende Seite). Zu beachten ist aber, dass man mehrwertsteuerpflichtig wird, wenn der Jahresum- satz über CHF 100 000.– liegt (Art. 10, Abs. 2 Bst. a MWSTG).

Ein Berufsimker muss sich auch überlegen, ob er die Imkerei in Form der Einzel- unternehmung oder nicht besser in Form einer juristischen Person führen will. Als juristische Person kommt vorab die Aktiengesellschaft (AG) oder die Gesellschaft mit beschränkter Haftung (GmbH) in Frage. Während man für eine AG ein Kapital von mindestens CHF 50 000.– beibringen können muss, reichen bei der GmbH CHF 20 000.–.

Besteht nicht die Absicht, bald jemanden zu beteiligen oder die Beteiligungen zu verschieben, dann dürfte die GmbH geeignet genug sein.

Der Vorteil einer juristischen Person liegt darin, dass eine saubere Abgrenzung zwi- schen Privat- und Geschäftsvermögen erfolgt. Sollte das Geschäft nicht erfolgreich sein und der Imker Konkurs gehen, so haftet das Privatvermögen nicht (ausser man hat die geschuldeten Sozialversicherungen nicht abgerechnet, Art. 52 AHVG).

Text von Martin Schwegler, erschienen in der Schweizer Bienen-Zeitung in der Juniausgabe 2019